Steatocranus tinanti
Löwenkopfcichlide

Ein weiterer Vertreter der reophilen Cichliden des westlichen Afrika ist der oben benannte
Steatocranus tinanti.
Dieser wurde von Poll (1939) erstmalig beschrieben.

Steatocranus tinanti - Weibchen Steatocranus tinanti - Männchen

Sein Vorkommengebiet erstreckt sich in weiten Teilen des Kongos. Hier wird er nicht selten mit Steatocranus gibbiceps und Steatocranus casuarius gefangen.
Steatocranus tinanti weicht etwas von den bekannten Formen ab. Er ist deutlich schlanker im Körperbau. Jedoch ist seine Grundfarbe, wie bei allen anderen Steatocranus, ein eher schlichtes Grau. In der Schreckzeichnung und bei Unbehagen zeichnen sich zwei deutliche Längsbänder ab.

Die Geschlechtsunterschiede sind relativ früh und deutlich zu erkennen. Dabei bekommen die Männchen einen kleinen aber deutlich zu erkennenden Stirnbuckel, die Rückenflosse (Dorsale) und die Afterflosse (Anale) sind deutlich länger ausgezogen. Das wohl markanteste Merkmal jedoch ist der doch sehr wulstig wirkende Unterkiefer. All diese Merkmale sind beim Weibchen weniger stark ausgeprägt.

Das Verhalten der Steatocranus tinanti wird als leicht aggressiv beschrieben, dies konnte ich in meinen Aquarien jedoch nicht bzw. sehr selten beobachten.
Ich selber halte zurzeit ca. 8-10 Steatocranus tinanti. Eine genaue Anzahl kann ich auf Grund der Aquarienstruktur nicht einmal benennen. Die Männchen sind derzeit ca. 10-12 cm groß. Die Weibchen sind Artspezifisch etwas kleiner und ich konnte hier bei großen Weibchen ca. 6-8 cm messen.

Vergesellschaftet werden die Steatocranus tinanti mit Steatocranus gibbiceps, Steatocranus casuarius, Lamprologus werneri, Lamprologus moquardi und einigen regionsfremden L-Welsen.

Die Struktur des Aquariums ist wie folgt aufgebaut. Im hinteren Teil des Aquariums habe ich einige Pflanzengruppen von Cryptocoryne und Echinodorus aufgebaut. Der mittlere und vordere Teil des Aquariums besteht aus unkontrolliert angeordneten Höhlen, Wurzeln und Steinplatten. Dabei werden durch das aufeinander schichten der Dekorationselemente diverse Spalten und Höhlen geschaffen. Diese werden natürlich rege genutzt und auch als Bruthöhlen auserkoren.
Die aktuellen Wasserwerte liegen bei einer Gesamthärte von 12°dh und einem PH-Wert von ca. 6,8-7,2 (Tagesschwankungen). Bedingt durch die Jahreszeit liegt die Temperatur des Wassers bei ca. 24-26°C.

Das Steatocranus - Aquarium

Nun zu meinen Beobachtungen über Verhalten und Fortpflanzung:

Das Verhalten der Tiere ist eher ruhig bis schreckhaft. Hier konnte ich bei Angst eine so genannte Gruppenbildung beobachten. Kehrt jedoch Ruhe ein, so scheinen sich harmonierende Paare in ihre Höhlen und Spalten abzusetzen. Andere Einzeltiere streiften durch das Aquarium. Dabei konnte ich niemals beobachten dass es zu Streitereien zwischen Steatocranus tinanti und anderen Aquarium - Insassen kam.
Fasziniert bin ich natürlich von der Trautsamkeit der bestehenden Paare. Diese scheinen förmlich den Körperkontakt zu suchen. Meistens schauen beide Geschlechter eng aneinander geschmiegt aus der besetzten Höhle.

Leider war es mir bisher vergönnt einem Paarungsspiel beizuwohnen. Demnach bin ich jedes Mal freudig überrascht wenn meine Steatocranus tinanti plötzlich eines Tages mit Ihren Jungfischen vor einer Ihrer Höhlen auftauchen um diese gemeinsam zu beschützen.

Steatocranus tinanti - Weibchen Steatocranus tinanti - Männchen

Beschützen? Kann man eigentlich gar nicht so benennen. Das Steatocranus Weibchen liegt arttypisch vor dem Höhleneingang um macht ruckartige Bewegungen mit dem Kopf. Dies scheint den Jungfischen ein Signal zu geben, sich nicht zu weit von der Höhle zu entfernen. Das Männchen liegt meist in geringer Entfernung hinter oder über der Höhle und bewacht das Revier. Dabei reagiert das Männchen sporadisch aus einzelnen Tieren die den Jungfischen zu Nahe kommen. Seltsamer Weise werden jedoch nicht alle Aquarium - Insassen vertrieben. Hier konnte ich beobachten wie Steatocranus casuarius unmittelbar unbehelligt zwischen Männchen und Weibchen durchschwimmen konnte.

Fische scheinen zu Wissen welche Tiere Ihren Nachwuchs schaden könnten und welche nicht. Somit halten sich auch die Verluste bei der Aufzucht der Jungtiere in Grenzen und es kommt eine Verhältnis mäßig hohe Anzahl der Jungfische durch.