Mein erstes Aquarium
oder was braucht ein Neueinsteiger

Am Anfang steht die Idee bzw. der Gedanke "Ich will ein Aquarium in meinen vier Wänden". Meist reift dieser Gedanke über einen längeren Zeitraum, seltener ist er Spontan. Manche Eltern wollen ihre Kinder an einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren heranführen.

Der Einstieg in die Aquaristik wird dabei sehr einfach gemacht. Im Handel sind verschiedene Komplettsets erhältlich, die es einem Unerfahrenen ermöglichen schnell seinen Wunsch zu verwirklichen. Leider werden kommt es gerade am Anfang zu vielen verschiedenen Schwierigkeiten, die das Vorhaben schnell zum Alptraum werden lassen und dem Besatz des Aquarium ernsthaft schaden.

Um dieses zu vermeiden haben sich einige Mitglieder dieses Forums zusammengesetzt und folgende Vorschläge für den Neueinsteiger erarbeitet. Ich möchte besonders folgenden Leuten danken die unter den Namen Fridola, triggerhippy, frischfisch4, Jani, Kama, zog, Blody und BugScalare bekannt sind. Sie haben durch Ihre Meinungsäußerungen tatkräftig zum gelingen dieses Beitrages beigetragen.

Wenn man sich mit dem Gedanken trägt ein Aquarium in den eigenen vier Wänden aufzustellen, hat man sich über den zukünftigen Standort schon mal Gedanken gemacht. Hier sollte man bedenken dass das Becken incl. Dekoration und Wasser ein erhebliches Gewicht erreichen kann. Man sollte sich also Gedanken über die Tragkraft des Fußboden und des Möbelstücks bewusst sein. Besonders in Altbauwohnungen ist auf die Statik und den Verlauf der Deckenbalken zu achten.

Nun geht es an die Auswahl des gewünschten Beckens. Hier will und muss ich auf das "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser)" anknüpfen. Wichtig ist bei der Überlegung der Beckengröße folgendes zu beachten. Eine dauerhafte Haltung von Zierfischen sollte nicht unter 60 Liter netto erfolgen. Betonung liegt hier auf dem Begriff "netto", denn ich kann auch ein 80cm-Becken mit Pflanzen und Dekoration bestücken das im end Effekt nur 60 Liter Wasser hineinpassen. Zur dauerhaften Haltung sollten 60 Liter Wasser zur Verfügung stehen.
Weiterhin sollte man hier darauf hinweisen, je größer das Aquarium ist desto stabiler wird es in Zukunft laufen. Außerdem werden kleine Haltungsfehler in einem größeren Becken besser verkraftet als in kleinen Becken.

Nun ist der Grundgedanke gefestigt. Der Standort steht fest und die Beckengröße ist festgelegt. Bevor man nun in den Fachhandel geht sollte man sich ein Buch mit den Grundlagen der Aquaristik besorgen oder es in der Bibliothek lesen bzw. ausborgen.
Nach deren Studium und dem Verständnis um den Kreislauf des Wassers, kann man zur Tat schreiten.

Das beste Aquarium für den Neueinsteiger sind die so genannten Komplettsets. Darin sind Becken, Beleuchtung, Filter, Heizung, Thermometer und sonstiges Zubehör enthalten. Bei dem Erwerb des Beckens sollte man darauf achten das diese Artikel enthalten sind. Gegebenfalls sollte man sie gleich mit erwerben. Als wichtiges Zubehör sollte man sich gleich einige Wassertests dazukaufen. Besonders zu empfehlen sind hier NO2, NO3, PH, GH und KH, evt. erwirbt man gleich einen so genannten Testkoffer. Was diese Abkürzungen bedeuten wird in einigen anderen Beiträgen beantwortet. Weiterhin sollte man sich zumindest einen mittleren Kescher kaufen.

Nun ist das Becken zu Hause. Das Untergestell bzw. der Unterschrank steht völlig eben. Bevor nun das Becken seinen endgültigen Stand bekommt, muss man nochmals etwas beachten. Schon die kleinste Unebenheit, der kleinste Stein oder Nagel kann zum Bruch der Bodenscheibe führen. Deshalb soll zwischen Untergestell und Becken eine Schicht gebracht werden, die diese Gefahr mindern. Dazu kann man Filz, Styropor oder Moosgummi in Beckengrundfläche verwenden. Wichtig ist das die Schicht die Unebenheiten ausgleicht und ein sicherer und ebener Stand gewährleistet ist.

Bevor es nun an das Einrichten geht sollte man sich Gedanken um den zukünftigen Fischbesatz machen. Hier ist vor jeder Überlegung eine Anfrage bei den örtlichen Wasserwerken notwendig. Diese geben kostenlos die zur Verfügung gestellten Wasserwerte preis. Eigentlich sollte sich der Erstbesatz nach diesen Wasserwerten richten, da eine spezielle Wasseraufbereitung für spezielle Fische und die notwendigen Prozeduren, hier den Rahmen sprengen würde. Nach einer gewissen Sammlung von Erfahrungen kann auf den gewünschten Fischbestand umgestellt werden.

So nachdem nun geklärt ist, welche Fische den zukünftigen Besatz darstellen sollen, kann es ans Einrichten gehen. Bevor nun der Bodengrund eingebracht wird sollten schwere Dekorationsgegenstände direkt auf die Bodenscheibe gestellt werden oder noch besser auf eine dünne Styroporplatte. Wurzeln sollten beschwert werden um ein Auftreiben zu verhindern.

Nun kann der Bodengrund eingebracht werden. Dieser sollte von vorn nach hinten leicht ansteigen. Anschließend werden die notwendigen Geräte (Heizer, Filter, evt. CO2-Anlage und gegebenenfalls Luftausströmstein) eingebracht.

So nun ist es soweit. Man kann dem Becken das nötige Element zufügen, was Fische zum Leben brauchen. Das Wasser wird eingelassen. Aber ACHTUNG! Nicht den Wasserschlauch einfach so reinhalten. So könnte der Bodengrund böse aufwühlen. Hier muss das Wasser sachte hinzugefügt werden. Dies kann man erreichen indem man einen Teller verkehrt herum in das Becken legt oder eine Schüssel einbringt und diese zum Überlaufen bringt. Wiederum kann man das Becken mit einer Zeitung auslegen und somit das einfließende Wasser sanft ins Becken leiten.

Nachdem wir nun das Becken ca. halbvoll gefüllt haben, beginnen wir mit der Bepflanzung. Hier sollte darauf geachtet werden das man zuvor die Wurzeln etwas einkürzt. Hierbei sollten die Wurzeln auf ca. 2-4 cm zurück geschnitten werden. Beim Einsetzen der Pflanze ist darauf zu achten das die Wurzeln gerade und senkrecht in den Boden eingebracht werden. Bei Solitärpflanzen sollte die Rosette bzw. Knolle ungefähr auf Bodengrundhöhe, also nicht unter den Bodengrund eingesetzt werden.

Anschließend wird dem Becken das restliche Wasser zugeführt. Der Heizer und der Filter werden in Betrieb genommen. Die Beleuchtung wird ein geschalten und gegebenenfalls der Luftausströmstein mittels Pumpe angestellt.

Wenn nun das Becken in seiner vollen Pracht dasteht ist der letzte Schritt den wir jetzt tun können etwas Wasseraufbereiter einbringen. Dieser bindet eventuell vorhandene Schwermetalle und Chlor.
Weiterhin können uns käuflich erwerbbare Bakterienstämme die Einlaufphase des Beckens unterstützen.
Anderenfalls sollte das Aquarium ca. 4-6 Wochen einer so genannten "Einlaufphase" unterzogen werden. In dieser entwickeln sich Bakterien die anfallende Abfallstoffe abbauen.
In der ersten Phase entsteht bei der Fäulnis das Amonium/Ammoniak, eingiftiges Abbauprodukt. Als weitere Abbaustufe entsteht nun das so genannte "Nitrit (NO2)". Um dieses Nitrit abzubauen benötigt das Wasser im Becken wiederum Bakterien die die Schadstoffe in das unschädliche Nitrat abbauen. Dieses Nitrat nutzen nun die Pflanzen als wichtigen Dünger.
Wie Ihr seht muss sich ein gewisser Kreislauf einstellen bei dem der bekannte Nitritpeak auftreten kann. Hier haben, die für die Fische hochtoxischen Nitritanteile Vorrang, da sich die Nitratentwicklung erst später einstellt. In dieser Phase sollte ein Wasserwechsel von 30% einmal die Woche einstellen. Dieser Wasserwechsel sollte (je nach Besatz) im weiteren Betrieb des Beckens fortgeführt werden.
Wenn dieser Nitritpeak überstanden ist (Ermittlung über Tropfentest) kann mit einem vorsichtigen Besatz vom Fischen begonnen werden. Dabei sollte man je nach Beckengröße nicht mehr als 5 Fische mit einmal einsetzen, um Stress beim Fisch extrem niedrig zu halten.

Kleiner Hinweis am Ende dieses Beitrages:
Trotz der Einhaltung aller Parameter und Entwicklungsstufen zum neuen Becken, kann es zu Komplikationen führen.

Allgemeiner Zusatz:

Da ich keine Ausbildung habe und diese Ausfühung auf Angaben zu 90% auf eigene Erfahrungen zurück zuführen sind, ich ergänzende Fakten in der Fachliteratur nachgelesen, diverse Gesprächen mit erfahrenen Aquarianern geführt habe, übernehme ich keine Haftung für Schäden die durch Nachahmen der hier aufgeführten Tipps entstehen.