Steatocranus casuarius

Buckelkopfbuntbarsch

Ein weiterer Vertreter der, derzeit neun beschriebenen Arten, ist der Steatocranus casuarius. Ich denke über keinen Fisch aus dem Kongo wurde bisher soviel geschrieben. Dennoch werden in diesem Beitrag einige neue Aspekte angesprochen, welche durch Verhaltensbeobachtungen entstanden sind.

Aber erst einmal wieder die wichtigsten Eckdaten zu diesem interessanten Tier. Der Steatocranus casuarius wurde erstmals von 1939 von Poll beschrieben. Seine Herkunft finden wir im Kongogebiet in Afrika. Hier werden Malebo Pool, der Ort Kinsuka, Kinshasa, sowie der gesamte Unterlauf genannt. Demnach hat der, im deutschen als Buckelkopfbuntbarsch genannten, Fisch ein enormes Verbreitungsgebiet.

Der Steatocranus casuarius hat wie alle Steatocranus eine graue Grundfärbung. Die Schuppen sind bei Steatocranus casuarius im gesamten dunkel und weisen einen hellen Rand auf. Hier steht die Typusart Steatocranus gibbiceps in genau umgekehrter Schuppenzeichnung gegenüber. Bei Stress kann der Steatocranus casuarius leicht fleckig werden und hat dann teilweise zwei parallel verlaufende Längsbänder.

Die Geschlechtsunterschiede sind beim Steatocranus casuarius relativ leicht zu erkennen. Die Weibchen bleiben deutlich kleiner. Ihre Rücken- und Afterflossen sind nicht ganz so lang ausgezogen. Bei den Männchen bildet sich ein deutlicher Stirnbuckel heraus. Dieser kann sehr imposant wirken. Zwar ist dieser Stirnbuckel auch bei anderen Steatocranus-Arten vorhanden, jedoch selten in diesem Ausmaß anzutreffen.

Die zu erwartende Endgröße wird in der Literatur sehr unterschiedlich angegeben. Hier wird teilweise von 10 cm bis 15 cm variiert. Evt. hängt dieses auch mit den Fundorten zusammen oder man kann doch von unterschiedlichen Arten ausgehen.

Ich selber erstand in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts meine ersten Steatocranus casuarius. Diese Tiere hatten es mir also in frühster Jugend schon angetan und begleiteten mich nun in meiner aquaristischen Laufbahn.

Nach einer Pause von 5 Jahren konnte ich jedoch nach meinem Neubeginn 1991 nicht widerstehen und erstand erneut einige prächtige Wildfänge. Hier erstaunte mich die erreichte Endgröße des imposanten Männchens. Ich konnte damals ganze 18 cm messen. Wieder eine Standortvariante oder was war der Grund des doch deutlich über dem Maß angegebenen Wachstums?

Nun jedoch zu meinen derzeit gepflegten Steatocranus casuarius. Gepflegt werden diese in einem 200 cm Aquarium. Hier teilen sie sich mit Lamprologus congoensis, Thylochromis ansorgi, Phenacogrammus interruptus und zwei weiteren Steatocranus-Arten (Steatocranus sp.Red Eye und Steatocranus sp.) die angebotenen 500 Liter Wasser. Am Bodengrund halten sich noch (regionsfremd) einige L-Welse auf. Diese scheinen sich aber nicht störend auf meine Steatocranus casuarius auszuwirken.

Angefangen habe ich mit 4 Tieren, die ich gezielt aus einem Verkaufsaquarium aussuchte. Mich beeindruckten von Anfang an die schon sehr ausgeprägten Kopfbuckel der damals doch recht kleinen Wildfänge. Beim Kauf konnte ich gerade mal 3-4 cm messen. Diese Tiere entwickelten sich prächtig. Bei einer Fütterung (incl. 1 Fastentag) von hauptsächlich Frostfutter und Trockenfuttermix verdoppelten meine Steatocranus casuarius innerhalb kurzer Zeit ihre Größe. Dabei bildeten sich auch nach meinen Erwartungen zwei harmonierende Paare. Zu meinem Erstaunen bezogen sie jedoch keine der angebotenen Höhlen, sondern suchten nur Unterstände unter Wurzeln und Steinaufbauten.

Nun kam in mir die Frage auf, reichen die verstecke oder sollte ich noch andere hinzu geben? Auch empfand ich die Höhlen für die "Beifische" recht groß. Also besorgte ich für meine Lamprologus einige kleinere Tonmuscheln. Für die Steatocranus fertigte ich noch einige Kokosnusshöhlen an.

Diese wurden nun in der Nähe der Steinaufbauten positioniert. Zu meinem Erstaunen bezogen die Steatocranus casuarius die kleineren Tonhöhlen. Dabei passte jeweils nur das Weibchen durch das doch sehr kleine Loch. Die Männchen legten sich brav vor die Tür und bewachten die Umgebung.

Nun dauerte es nicht lange und ich konnte mit der Taschenlampe bei beiden Paaren ein Gelege in der Höhle entdecken. Voller Aufregung erwartete ich nun in den nächsten Tagen die Jungfische. Was natürlich dann auch eintrat. Zirka eine Woche nach entdecken der Gelege schauten die "Kleinen" das erste Mal aus den Höhlen. Von Tag zu Tag wurde nun auch der Radius größer, den die Jungfische erkundeten.

Leider kam es nun plötzlich und unerwartet zum Verlust eines der Brutpflegenden Weibchen und ich bangte nun um den Nachwuchs der verbliebenen Witwer. Jetzt passierte etwas, was ich in meiner aquaristischen Laufbahn das erste Mal beobachten konnte. Das verbleibende Paar schwamm langsam mit ihrem Jungfischschwarm in Richtung der halbverwaisten Jungfische, ohne vom "Witwer" angegriffen zu werden. Dabei mischte sich in der Folge die gesamte Jungfischschar. Die nun adoptierten Kleinen wurden nun wiederum in das Revier des Brutpflegenden Paares überführt, wobei der verbliebene "Witwer" langsam mit schwamm. In der Folge der Zeit konnte ich nun beobachten dass das Weibchen sich aufopferungsvoll um die Jungtiere kümmerte und die beiden Männchen das Revier gemeinsam verteidigten.

Die Jungfische wuchsen relativ rasch heran und hatten bald eine Größe von 3-5 cm erreicht. Einige Jungtiere wurden nun an Freunde abgegeben um neue Steatocranus - Arten zu pflegen. Hier sollte sich bei den "Neuen" bald herausstellen das auch einige Steatocranus casuarius darunter waren, welche nun wiederum mit meinen verbliebenen Jungtieren Paare bildeten.

Dabei kam es wiederum zu sehr interessanten Beobachtungen.Eine davon schien jedoch auf mich eine bleibende Erinnerung zu haben. Eines Tages konnte ich völlig überraschend kleine Jungtiere bei einem sehr jungen Paar beobachten. Doch was jetzt passierte erstaunte mich sehr. Mein älteres Traumpaar schwamm ohne selber Jungtiere zu führen direkt zu dem jungen Brutpflegenden Paar, vertrieben es kurzer Hand von der Jungfischwolke und übernahm fortan die Brutpflege der Kleinen. War das junge Paar evt. noch zu unerfahren, oder was war der Grund der Entführung?

Ausgehend von diesen beiden faszinierenden Beobachtungen bin ich doch sehr beeindruckt vom Sozialverhalten dieser Steatocranus - Art. Hier scheint von der Natur her noch einiges an Fragen offen zu bleiben.

Warum bleiben verwitwete Steatocranus casuarius lieber den Rest des Lebens alleine? Denn ich konnte noch nie einen neuen Partner für meine "Hinterbliebenen" finden.

Natürlich fasziniert mich ebenfalls, dass die Elterntiere nicht mit ihren Kindern eine Paarbindung eingehen. Auch konnte ich noch nicht beobachten dass selbst Geschwister sich zu Paaren zusammen gefunden haben. Hier musste ich immer neue fremde Tiere einsetzen. Wird hier schon von der Natur der Fische her eine "Inzucht" vermieden?

Wie gesagt, lassen diese interessanten Steatocranus casuarius doch noch einige Frage offen. Welche ich hoffe, durch Beobachtungen, bald eine Antwort zu finden.

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