Steatocranus irveni

Meine Beobachtungen

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Aquarium-Live 2/2008

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Steatocranus ' das sind Stromschnellencichliden, welche Ihre Heimat im Kongo haben. Bei den derzeit noch neun beschriebenen Arten gibt es jedoch eine Art die sich 2000 km nördlicher im oberen Voltaeinzug angesiedelt hat. Hier finden wir den Staetocranus irveni.

Doch wo gehört er eigentlich hin? Tewavas (1943) beschrieb diesen Fisch als Gobiochromis irveni. Doch wurde er von Roberts & Stewart (1976) ohne Angaben von Gründen zu den Steatocranus zugeordnet. Verkauft wird er derzeit als Leptotilapia irveni. Um hier etwas Ordnung herein zu bekommen, sollte eine Revision ins Haus stehen. An dieser Revision wird wohl schon sehr intensiv gearbeitet. Lassen wir uns einfach mal überraschen.

Bis dahin behalten wir einfach den Namen Steatocranus irveni.

Wie oben schon erwähnt wurde der Steatocranus irveni erstmals beschrieben im Jahre 1943 von Trewavas und hat seine Heimat in der Volta, einen Fluss in Ghana. Als Fundort wird hier der obere Einzug genannt. Speziell die Gegend um die Senchi-Fähre und die Gegend um Akosombo

Seine Färbung ist eher ein einheitliches Grau und der Körper ist gestreckter als andere Steatocranus - Arten. Ein deutliches Merkmal ist seine überstehende Oberlippe und somit der verkürzte Unterkiefer. Hier würde ich schon von einer deutlichen "Nase" sprechen. Ebenfalls markant ist die blue Lippe des Unterkiefers. Die Schwimmweise der Steatocranus irveni ist nicht so sprunghaft wie wir Sie von den anderen Steatocranus - Arten kennen. Der Steatocranus irveni ist deutlich schwimmfreudiger. Dabei hält er sich gelegentlich im Freiwasser auf. Seine Bodenorientierte Lebensweise schließe ich eher auf die Nutzung der vorhandenen Versteckmöglichkeiten. Seine Schwimmbewegungen sind somit gleichmäßiger, sodass ich hier nicht auf eine reduzierte Schwimmblase tippe.

Die Geschlechter zu unterscheiden ist etwas schwer. Die Weibchen bleiben zwar deutlich kleiner, was später im Bericht als deutliches Merkmal der Unterscheidung nochmals angesprochen werden soll. Den in der Literatur angesprochenen weißen Saum in der Rückenflosse der Weibchen, halte ich auch nicht für ein eindeutiges Indiz. Dieser Saum war zu mindestens bei meinem gesichteten Weibchen sehr schmal und später in Brutstimmung gar nicht zu erkennen. Der Größenunterschied zu den Männchen lies eine mögliche Geschlechtsverteilung erahnen. Dies stellte sich bei einzelnen Tieren als Irrtum heraus

Als der Handel für mich erstmals diese interessanten Steatocranus irveni anbot konnte ich natürlich nicht widerstehen. Ich erstand eine Gruppe von 10 Tieren, welche ich dann in ein 300 Literaquarium brachte. Die hier gebotenen Wasserwerte lagen bei einem neutralen PH-Wert um 7 und einer Gesamthärte um 12°dH. Aufgebaut war das Aquarium mit diversen Steinaufbauten aus Schiefer, Granit und Lavaplatten. Diese Steinaufbauten wurden als so genannte Mischaufbauten auf beide Aquarienhälften verteilt, jedoch mit einer Verbindung in der Aquariummitte. Ebenfalls wurden umgedrehte Blumentöpfe mit ausgebrochenem Eingang verwendet. Bepflanzt wurde das Aquarium mit verschiedenen Cryptocoryne und Echinodorus-Arten Die noch sehr jungen Steatocranus irveni (damals ca.3-4cm) suchten relativ schnell die sie in den Steinaufbauten bildenden Spalten auf. Hier wurden schon vom ersten Tag an deutlich die Reviere bezogen, denn die Steatocranus irveni verließen die Spalten nur noch zum Fressen.

Da die Tiere in meinem Aquarium eine sehr versteckte Lebensweise zeigten, versuchte ich dem entgegen zu wirken. Ich setzte, einige Tage später, noch einige Teleogramma depressum dazu. Um den Freischwimmbereich (Mitte) etwa aufzulockern wählte ich eine 5 Tiere umfassende Gruppe Benitochromis finleyi aus. Nun liesen sich die Steatocranus irveni öfters blicken, was das Gesamtbild zufrieden stellte. Doch fehlten nun wiederum die reinen Bodenbewohner. Hier ging ich erstmal "fremd" und setzte Welse aus anderen Regionen der Erde ein. Das Gesamtbild wurde nun durch zwei L114, drei L124, ein L 314 und drei ältere Corydoras paleatus bereichert. Die Bodenbewohner wurden von meinen Fischen in keinster Weise beachtet. Leider sollte diese Vergesellschaftung der freischwimmenden Fische nicht lange gut gehen. Dies wird im Laufe dieses Berichtes nochmals ausführlicher erwähnt.

Die Steatocranus irveni entwickelten sich, bei einer regelmäßigen Fütterung (incl. 2 Fastentage) von Frostfutter, Trockenfutter und Beigaben von pflanzlicher Nahrung, prächtig. Mich erstaunte jedoch das teilweise rasante Wachstum einzelner Exemplare. Zwei vermutliche Männchen schossen geradezu in die Länge. Der Rest hatte ein deutlich langsameres Wachstum. Leider blieben 3 Tiere auf nimmer Wiedersehen verschwunden, sodass ich am Schluss nur noch 7 Fische zählen konnte. Die zuvor erwähnten zwei Männchen erreichten binnen 4-5 Monaten eine Körperlänge von ca. 10 cm Länge. Der Rest pegelte sich in der Zeit bei ca. 5-6 cm ein. Hier einen Nahrungsmangel als Grund zu suchen, schließe ich aus. Waren gerade die kleineren Steatocranus irveni als erstes am Futter. Die großen Männchen ließen sich sehr viel Zeit bei der Nahrungsaufnahme. Man hatte teilweise den Eindruck das sie das angebotenen Futter verweigerten. Doch am frühen Morgen konnte ich auch dies ausschließen, da das Aquarium sehr sauber und ohne Futterreste vom Vortag war. Zu diesem unterschiedlichen Wachstum müssten weitere Versuche als Ursachenforschung gemacht werden.

Nun pflegt ja nicht jeder diese interessanten Steatocranus irveni und somit sind die Hinweise zu Pflege und Zucht doch etwas rar. Doch immer wieder wurde bei den Berichten auf das Aggressionspotential der Steatocranus irveni hingewiesen. Da war kamen Berichte von Artübergreifenden Aggressionen, aber auch innerartlich sollen die Steatocranus irveni bis zu Totalverlusten gewütet haben. Leider konnte ich hier keinerlei direkte Beobachtungen machen. Meine Steatocranus irveni schienen immer sehr ruhig und friedlich im Aquarium zu schwimmen. Dabei kam es zwar zu sehr kleinen Reibereien bei Revierauseinandersetzungen. Hier wurde kein Unterschied zwischen den anderen Fischen und Artgenossen gemacht. Direkte Beiß - Attacken konnte ich nicht beobachten. Meine Tiere schienen gut zu harmonieren und das im gesamten Aquarium.

Meine Tiere lebten nun ca. ein halbes Jahr in Harmonie bei mir, als ich eines Tages eine freudige Beobachtung machte. Ein kleiner Steatocranus irveni hielt sich in einer der kleinen zusätzlich eingebrachten Höhlen, in Form von einer geschlossenen Muschel, auf. Diese aus gebranntem Ton bestehenden Höhlen hatten nur einen sehr kleinen kreisrunden Eingang. Heute weis ich das es das Weibchen war, passte kaum durch diese kleine Öffnung, sodass man Angst haben musste es käme nicht mehr heraus. Ein zweiter etwas größerer Steatocranus irveni lag ruhig vor diesem Höhleneingang. Er schien etwas aufgeregt zu sein, da seine Atmung und seine Flossenbewegungen etwas heftiger waren. Doch nach dem ausleuchten der Höhle, mit einer Taschenlampe, wurde es gewiss. Meine Steatocranus irveni haben ein relativ frisches Gelege. Ich war natürlich sehr angenehm überrascht und meine Aufregung glich sich dem des pflegenden Männchens an. Nach weiteren 4 Tagen sah ich, beim erneuten ausleuchten, die kleinen Larven zappeln. Es sollte jedoch noch ca. 1 Woche dauern bis die ersten Jungtiere durch den Höhleneingang schauten. Das Männchen, das vor der Höhle Stellung bezogen hatte, hielt sich den gesamten Zeitraum in der Nähe des Höhleneingangs auf. Eine Revierpflege konnte ich kaum beobachten. Fast jeder Steatocranus irveni und andere Fisch durfte sich in unmittelbarer Nähe tummeln oder vorbeischwimmen. Nun kam es jedoch in gerade dieser Zeit zu unerklärlichen Ausfällen bei den Benitochromis finleyi. Jedoch konnte ich niemals eine Aggression - Attacke beobachten. Auch wiesen die verendeten Tiere keine Bissspuren auf oder hatten andere Verletzungen. Meine Teleogramma depressum blieben bis Dato unbehelligt. Nun stellt sich hier die Frage nach einer Artübergreifenden Aggression der Steatocranus irveni. Sollte das die Ursache der Verluste sein?

Aber wieder zu meinen Beobachtungen meiner gepflegten Gruppe Steatocranus irveni. Es verging etwas mehr als eine Woche al die ersten Jungfische durch den Höhleneingang lugten. In den nächsten tagen wurden diese zunehmend mutiger und nun verließen die kleinen Steatocranus irveni vorsichtig die Höhle und erkundeten die nähere Umgebung. Das Weibchen achtete intensiv darauf dass die Kleinen nur kurz die Höhle verließen um gleich wieder in diese hineinbeordert zu werden. Dies wurde durch ruckartiges Körperzucken signalisiert. Anfänglich schienen es nur wenige Jungfische zu sein, doch täglich wurde der Anschein eines Wachstums der Anzahl der Jungfische durch den größeren Radius der Umgebung und der Auflockerung des Schwarmes verstärkt. Die kleinen Steatocranus irveni erkundeten nun schon fast einen Radius von 50 cm, wobei die Elterntiere langsam die Übersicht zu verlieren schienen. Ich bekam nun Angst um meinen Nachwuchs. Grund war natürlich der restliche Besatz. Hier waren ja noch die großen Männchen und weitere 3 Fische die sich ständig in der Nähe der Jungtiere aufhielten. Die Elterntiere versuchten zwar den Schwarm zusammen zu halten und sammelten fast alle Jungtiere kurz vor ausschalten der Beleuchtung in der Höhle wieder ein, doch blieben vereinzelte "Ausreißer" immer im Aquarium übrig. Zu meinem Erstaunen völlig unbehelligt.

In der folgenden Zeit kam es nun zu einigen interessanten Entdeckungen. Hier hatten sich einige Jungtiere heimlich von den Eltern weggestohlen und schwammen von dem Brutpflegenden Paar unentdeckt in einer anderen Ecke des Aquariums. Dort hielt sich jedoch gefährlich nah eines der großen Männchen auf. Doch zu meinem Erstaunen machte dieser nun auch diese typischen ruckartigen Bewegungen, die ich zuvor bei der Mutter beobachten konnte. Durch dieses Signal führte nun das große Männchen die Abkömmlinge zu den Eltern und somit zur Jungfischgruppe zurück. Die Eltern schienen das zu akzeptieren, da das große Männchen nicht angegriffen wurde.

In einen anderen Fall konnte ich, jetzt schon etwas ruhiger, beobachten wie ein weiteres halbwüchsiges Tier die Jungfische gegen eines meiner Teleogramma depressum verteidigte. Dies bestätigte meine erste Beobachtung. Es schienen sich alle großen Steatocranus irveni an der Brutpflege zu beteiligen. Gruppenhaltung somit eine Pflicht?

Die Jungfische wuchsen rasch heran und die Anzahl schien gleich zu bleiben. Sie erreichten, ohne zusätzliche Ernährung, innerhalb von ca. 2 Monaten eine Größe von 3 cm. Doch auch hier erstaunte mich die unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeit. Einige Jungtiere wuchsen schneller, andere Jungtiere schienen im Wachstum zu verharren oder schienen im Wachstum stehen geblieben zu sein.

Da ich intensiv an einem Programm zur Arterhaltung von reophilen Cichliden aus Westafrika teilnehme, möchte ich mich nun um die intensive Pflege von einigen anderen Steatocranus - Arten kümmern. Dazu wollte ich meine nun große Anzahl an Steatocranus irveni in gute Hände abgeben. Dies gelang mir auch. Die gesamten großen Tiere und ca. 30-40 Jungtiere vermittelte ich an einen Freund und dieser weiter an andere Aquarienfreunde.

Bei der umfangreichen Fangaktion, incl. Entfernung sämtlicher Steinaufbauten, gelang es mir jedoch nicht alle Jungfische aus meinen 300 Liter-Aquarium erfolgreich umzusiedeln. 12 kleine Steatocranus irveni hatten sich erfolgreich versteckt und blieben von der Fangaktion verschont. Dies entdeckte ich erst ca. 2 Tage danach als die Jungtiere ihre Verstecke verließen.

Doch sollten die Steatocranus irveni meinem Vorhaben nicht im Wege stehen. Da sie ja noch sehr klein waren setzte ich nun etwas mutig 10 Steatocranus tinanti und 10 Steatocranus gibbiceps zu meinen verbliebenen Steatocranus irveni.

Doch musste ich nun wiederum Lehrgeld bezahlen. Die damals noch kleinen Steatocranus irveni wuchsen heran und ich musste einige herbe Verluste bei den anderen Steatocranus - Arten hinnehmen.

Demnach mussten restlichen 12 Steatocranus irveni erfolgreich weiter vermittelt und in gute Hände abgegeben werden, wo mir ein guter Freund behilflich wurde. Er nahm die gesamte Gruppe, die ich nach identischer Fangaktion aus meinem Aquarium herausholte. Leider konnte ich nur noch 7 Steatocranus tinanti, drei Steatocranus gibbiceps und einen Teleogramma depressum zählen. Dieser schmerzhafte Verlust meiner Teleogramma depressum und der Steatocranus stellt nun wieder die Frage nach der Art übergreifenden Aggressivität?

Im Fazit bin ich doch sehr froh diese interessanten Tiere pflegen zu dürfen und kann die Steatocranus irveni nur jedem interessierten Aquarianer empfehlen. Diese werden durch sehr interessante und schöne Beobachtungen belohnt. Diese Steatocranus irveni sind es Wert in der Aquaristik einen festen Platz zu bekommen.

Egal wo wir diese Steatocranus irveni eines Tages wieder finden, ob als Gobiochromis irveni, Leptotilapia irveni oder wie wir Aquarianer sie kennen eben bei den Steatocranus, lasst diese Tiere nicht von den Stocklisten verschwinden. Ich hoffe das Arterhaltungsprogramm und dieser Bericht trägt dazu bei das der ein oder andere Aquarianer Interesse an diesen Tieren findet.

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